Wie belastbar ist die 1-Prozent-Bitcoin-These?
21Nexus
12.10.2026 · 11:34 Uhr
Anbieterstudien zeigen regelmäßig, dass eine kleine Bitcoin-Beimischung ein klassisches 60/40-Portfolio verbessert hätte. Für Vermögensverwalter reicht dieser historische Befund allein jedoch nicht aus: Wie stark hängt der Vorteil vom Einstiegszeitpunkt, vom Anlagehorizont und von der Bewirtschaftung ab? Wir prüfen das anhand einer eigenen Vergleichsrechnung in Euro.
Ein Prozent Bitcoin hätte die annualisierte Rendite eines 60/40-Portfolios in unserer Rechnung um rund 0,5 Prozentpunkte erhöht, von 7,6 auf 8,1 Prozent. Der maximale Drawdown wäre von 21,7 auf 21,9 Prozent gestiegen, die gemessene Volatilität lag mit 9,6 Prozent praktisch unverändert. Zusätzliche Verwahrungs- und Umsetzungsrisiken werden damit nicht erfasst. Ob dieser historische Mehrertrag den zusätzlichen Umsetzungsaufwand rechtfertigt, hängt vom Mandat und der vorhandenen Infrastruktur ab.
Für unsere Vergleichsrechnung verwenden wir einen thesaurierenden MSCI-World-ETF, einen Euro-abgesicherten globalen Anleihen-ETF und Bitcoin in Euro. Das Basisportfolio besteht zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen. Die Bitcoin-Beimischung wird proportional aus beiden Seiten finanziert. Quartalsweise stellen wir die Zielgewichte wieder her.
Der gemeinsame Datenbestand reicht vom 29. Dezember 2017, dem letzten gemeinsamen Handelstag des Jahres, bis zum 30. September 2026. Zur Einordnung: Der Bitwise Crypto Market Review Q4 2026 (S. 50) beziffert den Effekt für eine ebenfalls einprozentige Beimischung auf 0,8 Prozentpunkte pro Jahr. Bitwise rechnet allerdings in US-Dollar, mit anderen Indizes und ab 2014; die Tabellen haben wir nicht nachgerechnet. Ein Backtest zeigt, was unter historischen Bedingungen gewesen wäre, nicht was kommt.
1. Über drei Jahre war der historische Vorteil durchgängig
In allen 1.452 überlappenden Dreijahresfenstern lag das Portfolio mit einem Prozent Bitcoin vorn, bei einem Mehrertrag zwischen 0,5 und 6,4 Prozentpunkten kumulierter Rendite. In den Einjahresfenstern war das nur in rund 69 Prozent der Fall. In drei Kalenderjahren verringerte die Beimischung die Portfoliorendite: 2018, 2022 und 2025. Im Jahr 2025 erzielte das Portfolio mit Bitcoin dennoch einen absoluten Gewinn, blieb aber hinter dem Vergleichsportfolio zurück. Die Fenster überlappen stark und stammen aus einer einzigen Historie; sie sind keine unabhängigen Beobachtungen.
2. Das Ergebnis hängt von der Bewirtschaftungsregel ab
Die Rechnung unterstellt, dass an jedem Quartalsende die Zielgewichte wiederhergestellt werden. Das kann Käufe nach starken Kursverlusten und Verkäufe nach starken Kursgewinnen erfordern. Dazu gehören auch Aufstockungen nach dem Bitcoin-Verlust von mehr als 73 Prozent im Jahr 2018. Zwischen den Terminen weicht der tatsächliche Anteil deutlich ab: Bei einem Prozent Zielquote stieg er bis knapp 3 Prozent, bei fünf Prozent bis knapp 14 Prozent. Auch ohne Rebalancing war die Beimischung historisch vorteilhaft, der Mehrertrag gegenüber dem ebenfalls nicht rebalancierten Vergleichsportfolio fiel bei einem Prozent jedoch mit 3,6 statt 8,2 Prozentpunkten kumulierter Rendite kleiner aus. Das Gesamtportfolio mit einem Prozent Bitcoin erzielte ohne Rebalancing dennoch die höhere kumulierte Rendite. Das ist keine Empfehlung für Buy-and-Hold, denn Gewichtsentwicklung und Risiko unterscheiden sich. Eine Aufteilung in Bitcoin-Rendite und Rebalancing-Effekt ist nicht möglich, weil die Regel auch das Vergleichsportfolio verändert. Steuern und Transaktionskosten sind nicht berücksichtigt.
3. Der Beitrag schwankt mit Start und Periode
In zwei vollständigen Dreijahresperioden und einer kürzeren Restperiode von 2,75 Jahren war die Beimischung vorteilhaft. Der kumulierte Mehrertrag lag bei einem Prozent Bitcoin dabei zwischen rund 1,0 und 2,6 Prozentpunkten. Nicht überlappende Zeiträume sind nicht automatisch statistisch unabhängig.
Auch der Einstiegszeitpunkt beeinflusst den Mehrertrag: Bei Einstieg in den Jahren 2018 bis 2024 und gemeinsamem Enddatum lag der annualisierte Mehrertrag zwischen 0,26 und 0,73 Prozentpunkten, bei einem Einstieg Anfang 2025 (Laufzeit 1,7 Jahre) bei minus 0,12. Laufzeit und Marktphase unterscheiden sich dabei zugleich.
4. Das Korrelationsumfeld ist nicht konstant
Die Wochenrenditen von Bitcoin und Aktien waren 2018 und 2019 praktisch unkorreliert (0,00), in den Jahren 2020 bis 2022 mit 0,38 deutlich positiv und seit 2023 mit 0,16 wieder niedriger. Die Schätzungen beruhen auf 103 bis 196 Wochenrenditen je Teilzeitraum und belegen keine statistisch gesicherten Regimewechsel. Wie belastbar die Diversifikationswirkung künftig ist, hängt davon ab, wie eng sich Bitcoin und Aktien künftig gemeinsam bewegen.
5. Was das für die Mandatsarbeit heißt
Die Rechnung zeigt einen historischen Renditevorteil, der eine nähere Prüfung rechtfertigt. Für ein Mandat müssen jedoch Zielquote, erlaubte Abweichungen des tatsächlichen Bitcoin-Anteils vom Zielgewicht und Anpassungsregel zum Risikobudget passen.
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von Tagesschlusskursen (29.12.2017 bis 30.09.2026). Vergleichswert: Bitwise Asset Management, Crypto Market Review Q4 2026, S. 50.
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